Künstliche Intelligenz ist dumm und unmenschlich

veröffentlicht von Gerry Richter am 17. Juni 2018

Der Entwicklungschef von Google Deutschland, Dr. Wieland Holfelder, sagte im Vorfeld zur Automatica 2018 (19. bis 21. Juni in München) zur Frage, wie sich KI auf die Arbeitswelt auswirken wird: „Im Prinzip ist an der künstlichen Intelligenz nichts Künstliches. Sie ist von Menschen für Menschen gemacht – von daher müssen wir diesen Spirit aufrechterhalten und schauen, dass sie menschlich bleibt.

Ich denke, ich weiß was er damit sagen will, glaube aber, dass es auf diese Art und Weise sehr unglücklich ausgedrückt ist. Im Prinzip ist nämlich an der Künstlichen Intelligenz (KI) genau NICHTS Menschliches und vor allem auch NICHTS intelligent. Die KI ist sogar ziemlich dumm. Ja, sie ist von Menschen für Menschen gemacht, aber ihr fehlt all das was einen Menschen ausmacht. Wir müssen nur aufpassen, dass wir unsere Denkweisen nicht immer mehr der Logik von Maschinen anpassen.

Was ist eigentlich künstliche Intelligenz?

>KI ist nichts anderes als die sehr schnelle Berechnung von Wahrscheinlichkeiten auf Grund von einer ziemlich großen Menge Daten und technischen Ressourcen! Damit hat man schon in den 1960ern und 70ern experimentiert, ist aber mehr oder weniger  an der Rechenleistung gescheitert.

Dass dabei heute menschliche Züge wie zum Beispiel Trauer, Freude, Hilfsbereitschaft von Computern und Robotern simuliert werden, weil diese Reaktionen für die Maschine in einem gewissen Fall am Wahrscheinlichsten ist, ist nett, hat aber mit Berechnung zu tun und nicht mit Intelligenz. Oder kann man einen Bot, der innerhalb 24h ein richtiger Nazi und Sexist geworden ist, weil er von den “Falschen” gelernt hatte, als intelligent bezeichnen? Er war einfach zu dumm um gewisse Reflektionen durchzuführen. Passiert ist das übrigens Microsoft mit seinem Twitter Bot Tay (Hier ein Bericht dazu).

Was macht aber den Menschen aus?

Diese Frage beschäftigt uns seit Jahrhunderten und wird uns noch lange weiter beschäftigen. Man kann sie aus den unterschiedlichsten Perspektiven betrachten. Im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz und der Arbeitswelt sind für mich die Soft Skills das Entscheidende.
Darunter versteht man persönliche Kompetenzen, wie zum Beispiel Selbstvertrauen, Selbstbeobachtung und Selbstdisziplin. Aber auch soziale Kompetenzen, also der Umgang mit anderen Menschen. Einfühlungsvermögen (Empathie), Teamfähigkeit oder Menschenkenntnis gehören hier dazu. Fehlen noch methodische Kompetenzen und vor allem die emotionale Intelligenz.
Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen.
All das macht uns gegenüber Maschinen im Prinzip überlegen und vor allem auch interessant. Ich finde menschliche Schwächen manchmal sogar sehr erfrischend. Echte Emotionen und Gefühle sind das Salz in der Suppe des Zusammenlebens. Maschinen haben keine Gefühle, sie simulieren sie.

Was ich aber schon beobachte ist, dass die emotionale Intelligenz und Soft Skills in den letzten Jahren sehr gelitten haben. Das hat mit der Erziehung, veränderten Lebenskonzepten, unserem Schulsystem, Bildung im Allgemeinen und einfach der heutigen Zeit zu tun. Damit natürlich auch mit dem Aufwachsen mit Smartphones, Alexa und Co.

Wir selbst agieren immer mehr wie Maschinen, können uns immer weniger in andere hineinfühlen. Unsere Denkweisen werden von künstlicher Intelligenz beeinflusst und nicht umgekehrt. Wir lassen das auch weitläufig zu. In sozialen Medien wird uns nur das angezeigt was uns vermeintlich gefällt und die sprachgesteuerte Assistentin Alexa berechnet welche Musik uns wahrscheinlich gut gefällt.
Durch die extrem hohe Rechnerleistung und gespeicherten Daten wird Alexa auch einen guten Treffer mit ihrer Musikauswahl landen. Aber intelligent ist das nicht. Sondern eben Berechnung. Und so lassen wir uns Menschen immer mehr von Computerchips, die in Kaffeemaschinen, Kühlschränken und Telefonen eingebaut sind, im Prinzip an der Nase herumführen, aber ja: auch unser Leben erleichtern. Ob das eine Bereicherung ist weiß ich nicht, das kommt wohl auf die Nutzung jedes Einzelnen an. Nichts schlimmer für mich, als wenn immer alles “richtig” gemacht wird.

Sind solche Zeiten bald vorbei?
Gehören solche Szenen bald der Vergangenheit an?

Künstliche Intelligenz ist, wie oben schon beschrieben, zur Unterstützung von Menschen entwickelt und genau das müssen wir uns immer vor Augen halten. Es geht um Maschinen, um Computer, mit denen man durch technische Entwicklungen anders als bisher kommunizieren kann. Die unglaublich vielen Daten, auf die die Maschine zugreifen kann, kann ich mir auch ohne Programmierkenntnisse zunutze machen. Ich brauche ihr nur den Befehl dazu geben und das in meiner normalen Sprache. Die Computer merken sich auch meine Vorlieben, Angewohnheiten und Abläufe.

Als Verkäufer kann ich zum Beispiel meiner maschinellen Assistenz sagen, dass Sie mir Termine mit allen Kunden macht, die im letzten Jahr das Produkt “XY” gekauft haben. Ich kann ihr auch lernen, dass sie mich jeden Montag Morgen immer mit den gleichen dynamischen Informationen versorgt, wie Nachrichten oder Umsatzzahlen meines Geschäftes und gleichzeitig die Kaffeemaschine einschaltet.

Ich kann Maschinen dort einsetzen wo ich als Mensch nicht hinreiche oder wo es für uns zu gefährlich ist. All das ist wunderbar, all das macht unsere Zukunft schöner(?) und erleichtert unsere Arbeit und Freizeit.

Wichtig dafür ist, dass wir unsere menschlichen Fähigkeiten ausbauen und nicht beginnen von der Maschine zu lernen oder dass sie über uns bestimmt, was aber leider heute schon passiert. Vergessen wir nicht: Alexa entscheidet welche Musik wir hören! Der Mensch sollte aber in aller Konsequenz der Letztentscheider bleiben und die Kompetenz bewahren, dass er die Entscheidungen der Maschine kritisch hinterfragt. Auch deshalb arbeite ich mit Menschen an Ihren Soft Skills und gebe Seminare im Bereich der digitalen Kommunikation.

Ich glaube auch, dass der Begriff “Künstliche Intelligenz” selbst schlecht gewählt ist und vielen Menschen Angst macht. Sie glauben einfach, dass die Maschinen wirklich Intelligenz besitzen. Auch deswegen werden viele Anwendungen, die es jetzt schon gibt, nicht wertvoll eingesetzt. Einfach zu erkennen, dass künstliche Intelligenz eine Computeranwendung ist, die anders und neuartig bedient wird, würde helfen den wirklichen Nutzen dieser Geräte in die richtige Richtung voran zu treiben.

Aber eines ist sicher:
Künstliche Intelligenz ist einfach dumm und schon gar nicht menschlich!
Und bei unmenschlich Dummen bin ich zumindest auch immer vorsichtig…

1 Kommentar

  • Alice Viktoria Bruckner

    Da kann ich nur beipflichten! Es ärgert mich nichts mehr, als wenn ich Minuten lang in einer Schleife einer Telefonhotline hänge weil von den vorgeschlagenen Themen keines zu meiner Frage passt und/oder das was ich sage von der Spracherkennung nicht verstanden wird. Ich muss dies dann mehrmals wiederholen, nur damit ich dann erst recht (nach vielen Minuten und einer Menge Ärger) mit einer Person aus Fleisch und Blut verbunden werde.

Schreibe einen Kommentar

Wie kann ich Ihnen helfen?

Schreiben Sie mir ein E-Mail oder vereinbaren wir einen persönlichen Termin.

Nächste Seminare

Die Engagement Methode
  • Januar 18, 2019
  • 18. Jänner 2019, 09:00 - 17:30
  • Seehotel Rust - Am Seekanal 2/4, 7071 Rust
Fan- und Community Management im Sport
  • Januar 25, 2019
  • 25. - 26. Jänner 2019
  • JUFA Wien City - Mautner-Markhof-Gasse 50, 1110 Wien
Die Engagement Methode
  • März 8, 2019
  • 8. März 2019, 09:00 - 17:30
  • JUFA Stubenbergsee - Buchberg 110, 8223 Stubenberg am See