Digitale Kommunikation für SchülerInnen

veröffentlicht von Gerry Richter am 3. Juli 2018

Juhu! Ich habe wieder ein junges Mädel als neue Instagram-Followerin! Man freut sich doch über alle Follower. Irgendwie ist mir bei genauerem Hinsehen auf das nur leicht veränderten Profilbild und am Namen aber etwas aufgefallen – und ja tatsächlich: es handelt sich um eine Klassenkollegin meiner Tochter und die ist gerade mal 8 Jahre alt und in der 3. Volksschulklasse.

Kind Social Media
Die Herausforderungen unserer Kinder

Ausbildung zur digitale Kommunikation bereits in der Schule

Lassen Sie mich aber vorab noch ein paar Wochen in die Vergangenheit schauen. Da haben wir in besagter Volksschule das Jahresabschlussfest gefeiert. Die Schüler und Schülerinnen führten den Eltern in alter Tradition ein kleines Theaterstück mit Spiel und Gesang auf. Ein großer Teil der Eltern sah dies nur durch ihre Smartphones weil sie jede Kleinigkeit filmten. Ich denke, sie konnten gar nicht mitbekommen was hier aufgeführt wurde, so intensiv wie da an den Handys herum geschraubt wurde. Danach wurde es gleich in allen möglichen Kanälen geteilt.

Später wurden wir Eltern mit einem Fragebogen über die Qualität der Schule und Verbesserungsvorschläge gefragt. Und ich habe doch tatsächlich folgenden Wunsch geäußert:

“Ich wünsche mir Weiterbildung zum Thema Grundlagen der digitalen Kommunikation für Kinder.”

Selbst meine Frau belächelte mich etwas und okay, ich gebe es zu – es war ein wenig provokant gemeint, vor allem weil zumindest die 9-10-jährigen fast alle schon ein Smartphone haben.

Wenn mir dann ein paar Tage später die 8-jährige Klassenkollegin meiner Tochter auf Instagram folgt, ist das im ersten Moment zwar irgendwie süß, im zweiten Moment für mich aber nicht so toll und die Bestätigung, dass der Ansatz “Digitale Kommunikation bereits in der Volksschule”, vollkommen richtig ist. Wer selbst Kinder in diesem Alter hat, weiß wie sich manche davon unzählige Nachrichten über irgendwelche Messenger Dienste schicken. Und – wissen wir, was sie sonst noch so machen mit ihren, meist von den Eltern geerbten, Smartphones?

Know How nicht vorhanden

Die meisten Erwachsenen haben mit der Digitalisierung und den neuen Kommunikationswegen so ihre Schwierigkeiten und das in Wirklichkeit schon seit Jahren wenn nicht Jahrzehnten! Oder hat Ihnen jemals wer gesagt wie die Kommunikation über E-Mail laufen sollte und wie oft haben Sie sich über dieses Medium geärgert? Wir haben im Prinzip das E-Mail schon nicht verstanden, machen aber gleichzeitig nahezu täglich neue Kanäle mit unterschiedlichen Möglichkeiten auf, wie zum Beispiel Facebook Messenger, Whats App, Snapchat, Alexa Spracherkennung und andere soziale Netzwerke.

Unsere Kinder sind wunderbare, neugierige Wesen. Sie wollen erkunden was möglich ist und Grenzen austesten. In meiner Jugend war das beispielsweise noch zu spät nach Hause zu kommen, auf einen Baum zu klettern und sonst so ein paar Sachen, die meine Eltern bis heute nicht wissen dürfen. Der Fernseher im Zimmer wurde auch manchmal zu einer Zeit eingeschaltet, bei der man sicher war, dass die Eltern schlafen und es nicht bemerken würden. Trotzdem haben wir uns nicht diesen Gefahren ausgesetzt wie Kinder von heute, die ungeführt und unbegleitet die digitalen Möglichkeiten erkunden. Gleichzeitig haben unsere Kinder gerade durch die digitalen Wege auch unglaubliche Vorteile.

Kinder Smartphone

Kinder werden alleine gelassen

Unsere Kinder werden in der Erforschung der digitalen Welt allerdings ziemlich alleine gelassen. Nicht absichtlich, aber wer hat schon wirklich Ahnung was die Vor- und Nachteile der transparenten digitalen Kommunikation in den sozialen Netzwerken und Messengerdiensten sind? Wer weiß wirklich, wie man die Privatsphäre-Einstellungen in den vielen Apps ändert? Wohl die wenigsten Eltern und noch weniger die Lehrpersonen befürchte ich. Warum braucht eigentlich ein einfaches Kinderpuzzlespiel auf dem Smartphone Zugriff auf Kontakte, Medien und die Kamera? Wissen Sie welche Berechtigungen die Apps auf ihrem Smartphone haben oder viel wichtiger auf dem Smartphone ihrer Kinder?

Wir können und sollen die Kommunikation unserer Kinder über digitale Kanäle nicht verhindern, aber wir müssen sie dabei begleiten. Nicht was sie inhaltlich mit ihren Freunden schreiben, sehr wohl aber wie sie damit umgehen, wie öffentlich sie das machen und wie sie die Kommunikation leben.
Wir müssen über Gefahren und Möglichkeiten aufklären und müssen ihnen beibringen wie Kommunikation analog und digital funktioniert. Warum bei digitaler Kommunikation vieles auf der Strecke bleibt, welche Vorteile es hat mit tausenden Menschen gleichzeitig kommunizieren zu können, welchen Gefahren man sich dabei aussetzt und wie man damit am Besten umgeht.

Das Beispiel meiner neuen Followerin hat mir gezeigt, dass diese Ausbildungen dringend bereits in die Volksschule muss und zwar von Ausbildern die wirklich Ahnung davon haben.

Ich denke jetzt übrigens bei jedem Instagram Posting nach, ob es eh kindertauglich ist… Ob das wohl andere auch machen, denen die 8-jährige Klassenkollegin meiner Tochter folgt?

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2 Kommentare

  • Alice

    Nachdem ich EDV-Trainerin bin und ausschließlich Frauen unterrichte, von denen die meisten Kinder haben, kommt dieses Thema bei mir immer wieder zur Sprache. Die meisten sagen, dass sich die Kinder besser auskennen, als sie selbst, was mich aber gerade im Alter von schulpflichtigen Kindern sehr bedenklich stimmt. Technisch mögen die Kids sogar tatsächlich überlegen sein. Was aber die sozialen Gefahren dahinter angeht, so denke ich, dass die meisten diese noch gar nicht richtig einschätzen können. Leider machen sich auch die meisten Eltern darüber keine Gedanken, sodass hier tatsächlich die Schule sehr wichtig wäre.
    Übrigens gibt es hierzu eine echt gute Website: https://www.saferinternet.at/

    • Gerry Richter

      Danke für deinen Beitrag Alice und den Hinweis auf die Saferinternet Seite. Ich denke eben auch, dass wir da unsere Kinder ordentlich begleiten sollten, dass das aber leider fast nicht mehr möglich ist.

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