Ein Ausflug in die eSports Szene

veröffentlicht von Gerry Richter am 12. September 2018

Am Freitag, dem 7. September 2018 fand in Wien der 1. eSport Summit statt. Nationale und internationale Top Speaker sprachen und diskutierten einen ganzen Tag lang über Entwicklungen und Herausforderungen im eSport. Auch für mich ein spannender Tag mit vielen Erkenntnissen über eine Szene mit enormen Potential für Sponsoren & Partner.

Im Vorfeld des Summits kam mein Freund Bernd Pfeiffer von der bereits im eSports Marketing aktiven Online Agentur Limesoda auf mich zu, um mit mir über die Sicht eines Sportmanagers auf den eSport zu diskutieren. Das Thema machte mich wirklich neugierig. Bernd und ich haben schon in den frühen Anfängen des Internets Projekte gemeinsam umgesetzt und zur Zeit arbeiten wir im Schulungs- und Seminarbereich zusammen. Unsere Themen dabei sind Online Kommunikation, Social Media und ganzheitliches Community Management. Interessanterweise alles Dinge, die auch wichtig für den eSport sind oder einfach gesagt, Dinge die heute generell wichtig sind, wenn man Menschen erreichen möchte.

Vorweg die Frage aller Fragen: Ist eSport eigentlich Sport?

Diese Frage stellte ich mir natürlich auch. Doch ist sie überhaupt berechtigt?

Nach dem Summit habe ich für mich eine ganz pragmatische Antwort gefunden: eSport ist eSport und ein Vergleich mit konventionellem Sport ist in gewissen Bereichen durchaus interessant, in anderen dafür sinnlos. Insbesondere die Entwicklung von Organisationsstrukturen ist allerdings sehr ähnlich.
Um im eSport erfolgreich zu sein, ist der professionelle Umgang mit dem Training, sowie Vorbereitung und Durchführung von Wettkämpfen absolut notwendig.

Ich selbst liebe Sport, wenn die Protagonisten dabei körperlich an die Grenzen gehen müssen – wie zum Beispiel im Straßenradsport – oder mental über alles gefordert werden. Die mentale Komponente ist übrigens auch im eSport sehr hoch.

Während ich Sport für die Gesellschaft aus verschiedenen Gründen als absolut notwendig empfinde, weiß ich nicht ob diese Notwendigkeit beim eSport auch gegeben ist.

ESport wird auf alle Fälle betrieben und hat seinen Markt. Ich denke, er kann auch enorm förderlich als Innovationstreiber für technische Entwicklungen sein, ähnlich wie das beim Motorsport der Fall ist.

eSports

Zu Organisation und Strukturen im eSport

Beim eSport gibt es viele unterschiedliche Arten von Spielen, Kämpfen und Wettbewerben. Von den sogenannten Shooter Spielen bis hin zu Sportspielen, wie das bekannte Fußballspiel “FIFA”. Ich habe da ganz ehrlich gesagt noch keinen echten Überblick. Ich denke mir aber, dass ich damit nicht alleine bin. Denn auch die Spielertypen und Zugänge sind sehr unterschiedlich.

Was aber auf alle Fälle in vielen Bereichen passiert und in anderen Ländern als Österreich teilweise schon weiter fortgeschritten ist, ist eine Professionalisierung der diversen Turniere, Ligen, Vereine und Spieler.

Bei der Diskussion am Summit in Wien mit dem österreichischen, deutschen und schweizer Verband war viel Engagement für den eSport zu spüren. Da wurde viel über Entwicklungen gesprochen, über rechtliche Situationen, was noch kommen wird und kommen soll. Bei Verbandsorganisationen bin ich immer vorsichtig, da ich aus dem Sport einfach zu viele schlechte Beispiele kenne wo es nur noch um Macht geht und der Blick auf das Wesentliche verloren wurde.

Beim eSport ist man in Österreich bei der Entwicklung von Strukturen und Organisationen noch eher am Anfang. Man hat die Chance Verbände so aufzubauen, mitzugestalten und zu stärken, damit sie für den eSport wirklich hilfreich sein können, was anscheinend derzeit auch tatsächlich passiert. Dass das so bleibt, gilt es im Auge zu behalten. Derzeit habe ich das Gefühl dass jeder die Chance hat, aktiv mitzugestalten.

Ordentliche Strukturen sind auf alle Fälle notwendig um professionell Ligen und Turniere durchführen zu können. Auch in rechtlichen Fragen gibt es noch viel zu klären, hier kann ein Verband Lobbyingarbeit machen.

Wie sieht es mit den Profis aus?

eSports Summit
Die Profis am eSport Summit

Mit Cihan Yasarlar von Red Bull Leipzig war ein sehr prominenter FIFA Spieler zu Gast in Wien. Er ermöglichte uns einige Einblicke in das Leben als eSport Professional.
Vor allem erklärte er, dass es harte Arbeit ist, im eSports Profi zu sein und auch viel mit Community Management zu tun hat. Die Fans wollen die Nähe zu den Akteuren der Szene.

Cihan bespielt also so ziemlich alle Social Media Kanäle und kümmert sich dort, wie er sagt, selbst um seine Fans. Das ist sein Erfolg, der dann wiederum auch neben seinem Arbeitgeber Red Bull andere Sponsoren anzieht. Chancen, die auch konventionelle Sportler hätten, zumeist aber noch nicht richtig verstehen. Ich arbeite hart daran, dieses vor allem jungen Sportlern beizubringen! Denn die eigenen Medien zu bespielen ist für alle die Chance – schon vor den ersten Erfolgen, auch ohne klassische Medien – an Sponsoren zu kommen. Das Konsumverhalten bei Medien hat sich bereits dramatisch verändert und wird das noch weiter tun.

Auf die Frage wie Yasarlar die österreichische Szene sieht, hat er sich beim Wiener Publikum nicht gerade beliebt gemacht, meinte er doch, dass die Österreicher einfach zu wenig trainieren. Aber sind wir uns ehrlich: Man kennt das ja zum Beispiel aus dem Fußball. Der Österreicher ist oft zu schnell “satt” und geht den entscheidenden Schritt, der weh tut, nicht unbedingt. Der Deutsche will in der 95. Minute noch ein Tor schießen und bleibt immer hungrig, geht eben diesen einen entscheidenden Schritt weiter.

Das schnelle Geld verdienen

Überhaupt schwebte irgendwie der Eindruck im Raum, dass einige der jungen Spieler halt einfach mal eSport Profi werden wollen, weil es vermeintlich lustig und einfach verdientes Geld ist.
Da fehlt es dann auch schon mal an Leidenschaft für die Sache an sich und es wird nur schneller Ruhm, Anerkennung und Geld gesehen. Egal ob im Sport, eSport oder in sonstigen Bereichen des Lebens, es wird selten passieren, dass man so einfach im Vorbeigehen ein paar Millionen macht und/oder auf ein Podest gestellt wird. Das hat immer mit harter Arbeit zu tun.

Vermarktung und Sponsoren

Laura und David von Limesoda zu eSports Marketing

Ich sehe ein enormes Potential in der eSports Vermarktung und im Sponsoring. Als großer Fan des konventionellen Sports habe ich tatsächlich die Befürchtung, dass der eSport, durch das veränderte Verhalten beim Medienkonsum, in der Zukunft interessanter für Sponsoren und Partner werden könnte als traditionelle Sportler.

So gesehen war der Panel von den Mitveranstaltern des Summits, Gabriel Schwarzinger und Philipp Stockinger höchst interessant. Sie berichteten von Sponsorakquise á la “Ich bin Youtuber – wollen Sie mich sponsern?” Auch das kennen wir aus dem Sport. Genau solche Anfragen sind leider auch mitschuld, dass Sponsoring in Österreich und Mitteleuropa so wenig etabliert ist.

Es fehlt auf der Seite des Sports und der Unternehmen einfach das Verständnis was Sponsoring wirklich bedeutet. Die Vereine und Spieler müssen Sponsoring verstehen um Partnerschaften erfolgreich leben zu können. Sponsoring im Sport, in der Kunst, etc. ist einfach ein Leistungs- und Gegenleistungsprinzip. Beide Partner sollten dabei gewinnen.

Die Online-Affinität der eSportler ist auf alle Fälle ein großer Vorteil, der Sponsoren einiges bringen könnte.

Mir fallen gleich einige Dinge ein, die der eSport seinen Sponsoren bieten kann. Zum Beispiel kann der Verein oder Spieler den Sponsor aktiv im Community Management, E-Mail Marketing, auf der Website, oder in Foren einbinden – also vor allem kommunikative Leistungen für die Partner anbieten. Die Zielgruppe wächst, die Streamingdienste haben teilweise enorme Zugriffszahlen.

Aber eben nicht nur das – ich könnte mir vorstellen, dass junge eSport-Profis ein wenig Schwung in Unternehmen bringen könnten, die eher traditionell arbeiten bzw. dass sie auch das Image eines Unternehmens aufpolieren können. Stellen Sie sich mal ein ÖBB-, Siemens- oder Voest-Profiteam vor. Das “Spiel” muss natürlich zum Unternehmen passen – bei der Vielfalt findet sich sicher etwas.

Collaboratives, also gemeinsames, gleichzeitiges arbeiten/spielen ist in der eSports Szene an der Tagesordnung und damit ist auch sehr viel Erfahrung darin vorhanden. Branchenspezifische Sponsoren können ebenso von den technischen Entwicklungen am Spiele- und Streamingmarkt profitieren, oder selbst Innovationstreiber bei einer interessanten Zielgruppe sein.
Sponsoren können sich sehr einfach dieser neuen Zielgruppe präsentieren, wie das zum Beispiel paysafecard schon eindrucksvoll gelungen ist. Wer jetzt in Österreich einsteigt, gilt noch dazu immer noch als Starthelfer und wird von der Community sicher geliebt.

Damit Sponsoring funktioniert, muss der Sponsor zum Image des Sportlers oder Vereins passen und umgekehrt. Das heißt das Image muss auch von beiden Seiten gelebt werden.

Mein ganz persönlicher Eindruck vom eSport Summit

Mich hat die ganze Veranstaltung, wie auch die gesamte Szene, beeindruckt. Ich werde am Ball oder besser gesagt “am Controller” bleiben.
Der Summit war eine erste gelungene Informationsveranstaltung mit Branchengrößen, die der Szene und der Entwicklung in Österreich sicher gut tut.
Menschen, wie Alexander Amon, bei dem man das Leuchten in den Augen sieht wenn er vom eSports spricht, werden die Entwicklung positiv vorantreiben.

Erwähnen möchte ich auch Tobias Benz aus Deutschland. Tobias Benz ist Leiter des ersten europaweiten Bachelorstudienganges „eSports Management“ an der Hochschule für angewandtes Management und hat durchaus ein Auge auf Österreich geworfen.

Interessanterweise kommt Benz aus dem Profifußball und hat bei VFB Stuttgart die Nachwuchsakademien kennengelernt. Er bringt sein Wissen darüber im eSports ein. Was er so über den sportlichen Zugang zum Thema gesagt hat war für mich besonders interessant und für viele der Gamer doch neu. Da kann der eSports von Menschen aus dem konventionellen Sport enorm profitieren.

Mit dem eSport Summit sind die österreichische Szene und potentielle Partner & Sponsoren sicher ein wenig aufgeweckt worden. Bleibt zu hoffen, dass die Community dran bleibt und gemeinsam agiert. Wieder einmal ist gutes Community Management gefragt!

Der konventionelle Sport wird sich auch etwas bewegen müssen um die Sponsoren an der Stange zu halten und sie nicht an den eSport zu verlieren. Dennoch denke ich, dass beide nebeneinander gut leben können und sogar voneinander profitieren. Das Image eines Straßenradfahrers, bei dem es vor allem um die Leidensfähigkeit geht, ist sicherlich anders zu bewerten als die Eigenschaften eines eSportlers.

An Red Bull sieht man wieder mal wie es funktionieren kann. Dort ist übrigens Alexander Amon als Content Manager tätig.

So wie es aussieht, ist wohl nach dem Summit vor dem Summit. Wer den Aufstieg von eSports nicht verschlafen will, wird spätestens jetzt aktiv!

Möchten Sie mehr über Community Management als Unternehmenskommunikation wissen, dann melden Sie sich für unseren Newsletter an:

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Wie kann ich Ihnen helfen?

Schreiben Sie mir ein E-Mail oder vereinbaren wir einen persönlichen Termin.

Nächste Seminare

28.9.2018 – Die Engagement Methode
  • September 28, 2018
  • Tagesseminar 09:00 - 17:30
  • Hödrichsmühle, Gaadner Str. 34, 2371 Hinterbrühl bei Wien
19.10.2018 – Die Engagement Methode
  • Oktober 19, 2018
  • Tagesseminar 09:00 - 17:30
  • Hotel Wende, Seestraße 40 7100 Neusiedl am See
16/17. 11. 2018 – Community Management für Unternehmen
  • November 16, 2018
  • 2-Tagesseminar
  • Wien