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FIS – wie eine Reform nicht stattfinden sollte

Der internationale Skiverband FIS will also wieder einmal Reformen im Ski Weltcup durchführen. Zu wenig Zuseher habe man, das Interesse sinkt. Kein Wunder – hat man doch, wie auch in vielen anderen großen Sportverbänden auch bei der FIS das eigentliche Anliegen – den Sport selbst – schon vor langer Zeit vergessen. Es geht nur noch um Business. Das Anliegen des Verbandes ist vollkommen falsch formuliert und deswegen werden Reformen auch langfristig nicht greifen.

 Ansichtssachen – Sport und Business

Man will und braucht mehr Sponsorengelder, mehr Fernseheinnahmen, Eintrittsgelder und Werbeeinschaltungen – es geht dabei aber nicht um den Sport, um das Skifahren – es geht einzig alleine um Geld und Wachstum. Ja, zugegebenermaßen um Geld, das der Sport auch benötigt, aber nicht um sündteure Strukturen und Spitzenmanager zu bezahlen, sondern um den Sport weiter zu bringen, die Technik weiterzuentwickeln, die Rennen sicherer zu machen, den Nachwuchs zu fördern etc… , aber das passiert leider meist zuletzt.

Was passiert in der FIS und im Skiweltcup wirklich?

Es gibt seit Jahren kein passend formuliertes Ziel und keine Ausrichtung der FIS für den Skiweltcup und daher auch kein professionelles Marketing oder gute Verbandsarbeit. Vereine und Verbände leben von einer Gemeinschaft die aus sehr unterschiedlichen Menschen besteht. Gemein ist ihnen dabei die Leidenschaft und Liebe für die Sache – den Sport. Was man bei der FIS und auch den Verbänden darunter meist dabei übersieht, ist, dass man den Leuten, die diesen Sport lieben genau zuhören muss und sie auch einbinden muss. Was macht man aber stattdessen? Man spricht von oben herab nur über Geld, Business, Show, wie man wirtschaftlich weiter kommt und macht dabei den gesamten Sport kaputt, weil man auf die Basis vergisst. Erwirtschaftete Gewinne kommen selten ganz unten an.

Sponsoren und Partner werden von der FIS schlecht angesprochen

Sponsoren werden über Einschaltquoten oder Zuschauerzahlen vor Ort geködert – über kurzfristige Reichweiten – anstatt ihnen die Möglichkeit zu geben ihre Marke bei der gesamten Skicommunity zu platzieren, vielleicht zwar mit weniger Reichweite, letztendlich aber bei den wahren Botschaftern – den Trägern, den Experten des Sportes. Doch auch die Partner sind gefordert ihre Brandstories besser erzählen zu wollen und nicht nur auf Reichweiten hereinzufallen.

Klar braucht man etwa auch Getränkefirmen für die Investitionen in der Skiindustrie (so lange das Geld wirklich in den Sport fließt, passt es ja), aber weder Wodka, noch die Celebrities in Kitzbühel tragen den Sport, finanzieren ihn (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel) und bringen ihn weiter.

Große Show Events versus Basisarbeit

Man will in Zukunft also mehr von den beim Publikum vermeintlich attraktiven City- und Parallelevents, und das auf Kosten von einem der interessantesten Skibewerbe überhaupt: dem Super-G. Die Kombination will man auch einstellen, nachdem man sie schon vor Jahren kaputt reformiert hat

50.000 Zuschauer in Schladming sind wichtig und gut für den Sport. Die Show ist großartig, der Fernsehevent ein Highlight – das braucht der Sport, aber nicht nur – hier wird fast ausschließlich  ein bestimmtes Klientel und Sponsoren befriedigt für die die Weiterentwicklung des Sports nicht unbedingt an erster Stelle steht – Hauptsache die Show passt.  Wenn man die Motivation der Zuschauer zum Besuch vor Ort abfragt, bekommt man voraussichtlich viele Antworten. Der Sport an sich wird aber vermutlich nicht ganz vorne stehen – es ist das Rundherum, die Hütten, das Massenereignis, die einzelnen Sportler, die Party, aber nicht der Sport selbst. Diese Events locken die Sponsoren an, hier erhält man Reichweite. Doch so hinkt man bei der FIS oder anderen Sportverbänden schon lange hinterher was modernes Marketing betrifft. Es gibt keine Brand- oder Customerstories, kein Influencermarketing. Keine Menschen. Keine Authentizität. Kein Storytelling.

Die zum Scheitern verurteilte Reformidee der FIS

Mit dem Gedanken, dass der Skisport mehr Show benötigt, versucht die FIS jetzt zu reformieren und will mehr City Events – jene Events bei denen der Sport überhaupt nicht mehr zählt – denn während in Schladming noch der beste Skifahrer gewinnt, passiert das bei Cityevents in 20-30 Sekunden Fahrzeit zumeist nicht und es gibt dennoch gleich viele Weltcuppunkte. Man verkauft den Rennskisport als Party- und Funevent und kreiert in Wirklichkeit eine ganz andere Form des Skisports, abseits des echten Rennsportes.

FIS Renndirektor Waldner will aber gerade die Parellel-Rennen „richtig pushen. Sie kommen beim Publikum gut an, sind leicht verständlich – auch für Nicht-Insider.“ Das ist Marketing und Verkauf vom vorigen Jahrhundert! Und vor allem einfach ein falsches Anliegen. Das Anliegen müsste sein, dass Experten und Fans, also die Ski-Community andere Menschen davon überzeugen, wie und warum ein Super-G einfach eines der geilsten Rennen überhaupt ist.

Die FIS arbeitet vorbei am Sport und den Menschen dahinter

Es wird seit Jahren am Sport vorbei gearbeitet und Zahlen herangenommen, die nur für Sponsorenpackages interessant sind. Wenn man glaubt, dass man mit einem City Event mit 50.000 feiernden Zuschauer den Sport bewirbt, ist man ordentlich am falschen Dampfer und sehr schnell bei Beachvolleyball- oder Surfveranstaltungen, wo ebenfalls das Rundherum vermarktet wird und nicht der Sport selbst.

Betrachtet man die Ski Community, sieht man dass es viele unterschiedliche Berührungspunkte gibt, die man ansprechen muss: Da sind Partner & Sponsoren, die Fans von einzelnen Läufern, die Nationenfans, die Zulieferer, Skifirmen, und vor allem die Sportler, Hobbyrennfahrer, Trainer und Nachwuchsläufer sowie deren Eltern. Ich behaupte nun, die letztgenannten Gruppen lassen auch das meiste Geld in der Skiindustrie und allem was dazu gehört, wie zum Beispiel dem Tourismus. Sie bilden die Basis für ein Weiterbestehen des Skirennsports. Sie machen das zwar nicht so laut wie die 50.000 in Schladming, die sich eine Nacht um die Ohren hauen und in der viele um ein paar Hundert Euro feiern. Nein sie machen das still und leise mit dem Kauf von 4-5 Paar Ski (pro Saison!!!), Saisonkarten, Einzelliftkarten, Trainingsutensilien, etc. – da sind schnell einmal ein paar 1.000 Euro investiert – und das direkt in die Skiindustrie. Diese Leute sind oft während der Weltcup Rennen selbst auf der Piste, veranstalten selbst einen Bewerb oder fahren wieder mal ein paar 100 Kilometer um den Nachwuchs zu einer ordentlichen Trainingspiste zu bringen – und von diesen Leuten lebt die Skiindustrie und letztendlich der Sport. Diese Menschen leben aber vor allem von einem lebendigen Weltcup mit wirklich interessanten Rennen für Experten und nicht für die Show. FIS Renndirektor Waldner meinte letzten Winter: „In Hamburg sitzt ein Nicht-Ski-Insider, der sieht keinen Unterschied zwischen einem Super-G und einer Abfahrt“. Nun, dieser Nicht-Ski-Insider lässt aber voraussichtlich auch keinen einzigen Cent dem Wintersport zukommen und darum ist es wohl auch nicht notwendig ihn zu befriedigen – warum die Kritiker ins Boot holen währenddessen man die Fans vor den Kopf stößt? Dieser Hamburger muss der FIS eigentlich egal sein.

Ohne die Zielgruppe von Experten und echten Fans – die sich durch ihr ehrliches Interesse zu richtigen Experten entwickelt haben – bei den Reformen zu berücksichtigen, wird die breite Basis bald verschwinden. Zum Teil ist sie ja sogar schon verschwunden und dem ganzen Business wird der Nährboden entzogen – so kann man reformieren was man will, es wird nur verschlimmbessert. Außer man verabschiedet sich komplett vom Skirennsport und macht einfach große Showevents – kann das, das Anliegen der FIS sein?

Die Lösung

Die FIS muss auf die Fans des Sportes, inklusive der Sportler selbst, und nicht auf die Fans der Spaßevents rundherum eingehen. Sie muss die Basis einbinden, deren Geschichten erzählen und der Rest wird von selbst kommen. Eine Community, die wieder mit echter Begeisterung für den Sport bei der Sache ist, ihn unterstützt und verteidigt mit allem was sie hat – und das ganz freiwillig.

Wenn man allerdings auf die Menschen pfeift, dann wird es nicht mehr lange gut stehen um den Skisport und er wird wohl zu Tode reformiert sein.

 



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