Gerry Richter

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Warum wir unsere Arbeitsweisen verändern müssen

“Ich möchte Chef werden, weil der Chef schafft an.”

Diesen Satz hat ein regionaler Politiker vor einer Wahl zu mir gesagt. Er ist auch sonst in seiner Kommunikation so aufgetreten. Mich verwunderte seine doch erhebliche Niederlage bei der nächsten Wahl nicht. Der Aussage liegt eine alte Denkensweise zugrunde, die heute fast nirgends mehr akzeptiert wird. Warum ist das aber so und warum müssen wir unsere Arbeitsweise daher in so vielen Bereichen verändern?

Der Hauptgrund dafür ist eine veränderte Wahrnehmung von Informationen. Diese haben wir vor allem durch die Entwicklung neuer Kommunikationskanäle, wie etwa Social Media und Messenger Apps geschaffen, aber auch schon grundsätzlich durch das Internet. Damit einher geht auch eine Veränderung von Informations- und Konsumverhalten der Menschen. Wir arbeiten aber sehr häufig immer noch mit Strukturen, Kommunikationsstrategien und Führungsmethoden, die dem Zeitalter vor dem Internet entsprechen.

Prof. Dr. Peter Kruse hat hier schon 2010(!) ein beeindruckendes Statement im Deutschen Bundestag abgegeben.

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Er erklärt hier, dass wir die Dynamiken in Netzwerken nicht aufhalten können und viele Dinge außer Kontrolle geraten, was ja durchaus nicht nur negativ oder positiv zu bewerten ist. Er spricht auch von einer Machtverschiebung vom Anbieter zum Nachfrager, die wir in den letzten Jahren eindrucksvoll erlebt haben.

Die Macht ist beim Nachfrager nicht mehr beim Anbieter

Der starke Bürger, starke Mitarbeiter und starke Kunde wird zu einer immer größeren Herausforderung für unsere Gesellschaft, unsere Demokratien und auch für Unternehmen und Organisationen mit allen Vor- und Nachteilen für den einzelnen Menschen.

Peter Kruse wusste 2010 noch nichts von Pandemie oder Russlandkrieg, noch nichts von vielen, vielen zusätzlichen Kommunikationskanälen, aber er wusste, wie sich Netzwerke verhalten und entwickeln. Wir haben, wie bereits weiter oben erwähnt in den letzten Jahren eine enorme Verschiebung der Macht vom Anbieter zum Nachfrager und zwar auf allen Ebenen erfahren – in der Gesellschaft, in der Wirtschaft, in der Politik und so natürlich auch bei Vereinen und anderen Organisationen.

Das heißt, dass wir unsere Arbeitsweisen, die Form der Zusammenarbeit, Leadership und Kommunikation, ja sogar selbst die Organisationsstrukturen überdenken sollten und den Menschen ins Zentrum unserer Überlegungen stellen müssen. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir unsere Organisationen viel menschenzentrierter weiterentwickeln und uns tatsächlich um die Menschen kümmern.

Wenn der Mensch nicht zählt wendet er sich ab

Ein einfaches Durchsetzen von Willen von oben herab funktioniert heute nicht mehr. Ich finde das übrigens gut so. Der Mensch will berechtigterweise etwas zählen, er will einen Sinn in seinem Tun sehen, er will gelten. Wenn er das nicht tut, wendet er sich ab.

Es gibt genug Gelegenheiten, wo er sich hinwenden kann, wo ihm sein Wert zumindest vorgespielt wird. Das ist übrigens auch das Geheimnis und gleichzeitig die Gefahr des Erfolgs hinter vielen Influencern. Diese haben in Wirklichkeit oft nichts zu sagen, aber sie umgarnen die Menschen und kümmern sich um sie. Ob sie das tatsächlich machen, ist eine andere Frage. Die Menschen in ihren Communities haben zumindest das Gefühl und hören lieber auf die Meinung der Influencer, als auf Institute, Wissenschaftler, Politiker oder große Unternehmen.

Was bedeutet das für Sie?

Als Unternehmer:in müssen Sie Ihre Mitarbeiter:innen auf eine neue Stufe heben, um Engagement, Motivation und Loyalität zu erhalten. Sie müssen den Menschen in Ihrem Unternehmen tatsächlich etwas bieten, ansonsten werden Sie kein gutes Personal finden. Employee Branding reicht da nicht aus, vielmehr geht es um wirklich gelebte Unternehmenskultur. Es geht um Möglichkeiten der Selbstverwirklichung, der Partizipation und des mentalen Wohlbefindens.

Ebenso ergeht es Ihnen mit den Kunden. Sie müssen dafür sorgen, dass die Erfahrungen, die ein Kunde mit Ihnen und Ihrem Unternehmen macht, ihn begeistern, ansonsten hat er jede Möglichkeit des globalen Marktes woanders zu kaufen, wo er vielleicht mehr begeistert wird. Ist er nur zufrieden wird niemals Loyalität entstehen, dazu sind die Chancen auf andere Erfahrungen viel zu groß.

In Vereinen, Interessenvertretungen, Organisationen, wo es leider immer noch so oft um Macht und Einfluss im Verein selbst geht, müssen endlich die Menschen im Vordergrund stehen, um die es dabei geht – in Sportvereinen, um die Sportler; in politischen Organisationen, um die Gesellschaft. Ansonsten braucht man sich nicht wundern, wenn sich die Menschen abwenden.

Wer sich nicht verändert, verliert

Mein politischer Kandidat, der leider auch die Kommunikation in sozialen Netzwerken nicht wirklich versteht, hat das bitter erfahren müssen. In einer Stellungnahme sagte er: “Wir haben die Stimmung in der Bevölkerung falsch eingeschätzt”. Ja, hat er tatsächlich! Er hat eben nicht zugehört, hat sich nicht um die Menschen gekümmert, sondern einfach das durchsetzen wollen, was eben er und ein paar seiner Parteikollegen wollen. Viele Menschen hat er mit dieser Art nicht mehr erreicht. Und der Bürger will vor allem eines nicht: Wenn die Politiker:innen, die sich um Projekte und Entwicklung kümmern sollten, sich nur gegenseitig in den Haaren liegen.

Kurz gesagt: Wir müssen in vielen Bereichen unsers Lebens die Ansprache von Mitarbeiter:innen, Kund:innen, der Bevölkerung ändern. Wir müssen Organisationsstrukturen überdenken und uns viel mehr tatsächlich um den Menschen kümmern. Das Paradoxe: Je digitaler wir werden, desto mehr brauchen wir hochwertige menschliche Interaktion.

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