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Sportler oder Staubsauger – egal…

Der österreichische Radsportler Lukas Pöstlberger hat in der ersten Etappe des Giro d´Italia alle überrascht indem er die Etappe und damit das Rosa Trikot des Gesamtführenden gewonnen hat. Ich, als Österreicher und echter Fan des Radsports, jubelte so laut in meinem Wohnzimmer, dass die Zimmerdecke fast einstürzte. Schnell danach musste ich allerdings über die – leider eher kleine – Fangemeinde und die dadurch vergebenen Chancen, im österreichischen Radsport nachdenken.

Anhand des Erfolges von Pöstlberger und dem was danach passierte bzw. was vorher hätte passieren können und in Zukunft passieren müsste, lassen sich die Möglichkeiten von professionellen Fan- und Communitymanagement – dem Corporate Grassroots aufzeigen und dies auch auf innovatives Produktmarketing anwenden.

Ich selbst bin seit Jahren großer Radsportfan und als Fan durchaus Kenner der Szene in Österreich. Ich habe auch selbst einen Radsportblog betrieben bei dem ich es geschafft hatte bis zu 1.000 Visits pro Tag zu generieren. Die CYCLINGAREA gibt es aus Zeitgründen leider nicht mehr.

Nun aber zum Sport- und Produktmarketing.

Zuerst zum Radsport:

Seit ein paar Jahren gibt es in Österreich einen richtigen Boom von jungen, hoffnungsvollen Talenten, wie z.B. Lukas Pöstlberger, Felix Großschartner, Patrick Konrad, Gregor Mühlberger, Georg Preidler,  Michael Gogl und so weiter – wenn man allerdings kein großer Radsportfan ist, weiß man in Österreich darüber nicht wirklich Bescheid. Die Medien berichten kaum und unter den Journalisten gibt es nahezu keine Experten. Das Sportmarketing in Österreich ist absolut unterentwickelt, dadurch haben es vermeintliche Randsportarten noch schwieriger als andere. Die meisten der Radsportjungprofis sind zwar auf sozialen Kanälen vertreten, diese werden aber – bis auf wenige Ausnahmen – nicht wirklich professionnel betrieben, eigentlich eine vergebene Chance.

Der Sportler als Marke wird hierbei völlig unterschätzt. Nach dem sensationellen Erfolg von Lukas Pöstlberger bei der ersten Etappe des Giros schrieben Medien Artikel wie „Wer ist Lukas Pöstlberger?“. Derweilen verzeichnete sein Twitter Account “Poesti_92” eine Steigerung um mehrere 100 Prozent an Follower (mit 1.500 noch immer sehr wenige) – auch auf Facebook erhöhte sich die Zahl an Fans exponentiell – nur: auf Twitter kam keine Aussage zum Etappensieg und auch auf Facebook liest man wenig – Die (Fan-) Community wird eher vernachlässigt dabei könnte gerade hier mit professionellem Fanmanagement einiges erreicht werden.

Ich spreche hier vom Druck auf Sponsoren, dem Vertragspoker, Werbeverträge, der Möglichkeit wirklich Geld zu verdienen. Oder von Fans, die auch dann zum Sportler halten, wenn es mal schlechter geht und die Erfolge ausbleiben. Von einer Community, die helfen kann wenn ein Team gesucht wird oder ganz einfach von echter Unterstützung am Straßenrand. Wenn man zehntausende Unterstützer und Fans hat, tut man sich einfach leichter.

Doch leider wird auch im Erfolg das Potential oft liegen gelassen.

Nun zum Produkt

Nennen wir den Menschen nun einfach einmal “Produkt”, denn in Wirklichkeit wird es ja gerade bei Sportlern – leider – wirklich so gesehen: Lukas Pöstlberger ist ein neues, aber doch schon bestehendes, recht gutes “Produkt”.

Was ist nun passiert? Das Produkt hatte eine Plattform auf der es sich öffentlich beweisen konnte und weltweite Aufmerksamkeit bekam.

Pöstlberger ist etwas gelungen, was noch nie zuvor einem Österreicher gelungen ist: er gewinnt eine Etappe des Giros und das rosa Trikot. Nun ist er über Nacht bekannt geworden, trotzdem wird viel zu wenig darüber berichtet, viel zu wenig Wind darüber gemacht.

Spätestens jetzt muss man beginnen, ihn ordentlich zu vermarkten.  Aber warum erst jetzt?

Gewöhnliche Produkte haben derart öffentliche Plattformen oft nicht und bekommen somit auch keine besondere (mediale) Aufmerksamkeit.

Egal ob Produkt, Ware, Dienstleistung oder Mensch – es braucht schon vorab Fans und die gibt es ja auch. Lukas Pöstlberger hatte schon Fans vor seinem Giro Tagessieg, genauso wie Ihr Produkt oder Ihre Firma Anhänger haben. Würde man diesen Supportern und Anhängern zuhören, sie zu Wort kommen lassen, sie wirklich wertschätzen,  hätte man schon eine große Fancommunity aufbauen können.

Eine Community von echten Fans, das funktioniert bei einem Radprofi genauso wie bei einem Staubsauger oder einem Mixer.

Die Geschichten, die über das “Produkt” erzählt werden, sind anders. Im Falle des Sportlers vielleicht leichter zu erzählen, da sie mit mehr Emotionen behaftet sind – die Mechanismen sind die gleichen. Aber auch ein Mixer kann wunderbare Geschichten erzählen – zum Beispiel vom genial gelungenen Cocktail.

Kümmert man sich nun um die Fans des Produktes und mobilisiert sie, lässt sie ihre ganz eigenen Geschichten erzählen, werden sie mehr und mehr, weil es einfach Spaß macht.

Es beginnt sich eine Bewegung aufzubauen und damit schaffen Sie Druck auf den Markt, oder – um beim Sportler zu bleiben – zum Beispiel auf Sponsoren oder Teamchefs aufzubauen.

Fans sind oft schon zu einem Zeitpunkt da, bei dem es manchesmal noch nicht mal Erfolg gegeben hat. Sie wollen aktiv sein, wollen über das Objekt der Begierde reden, schwärmen, erzählen.

Durch die Fancommunity wird es einfacher – das Produkt erreicht eine größere Bekanntschaft und somit bessere Möglichkeiten beim Produktmarketing oder zum Beispiel bei Finanzierungsgesprächen.

Ich beobachte den Sportmarkt in Österreich schon seit Jahren sehr genau und leide mit vielen jungen Talenten, die kaum eine Chance haben sich zu entwickeln, weil sie neben ihrem Sport auch noch ihren Beruf ausüben müssen, um sich das Training leisten zu können.

Mit professionellem Fan- und Communitymanagement lässt sich diesen Leuten helfen, damit diese sich voll auf den Sport konzentrieren können. Und ich meine hier nicht die Verwaltung von ein paar Social Media Kanälen. Nein, ich denke an eine echte Grassroots Bewegung für den Sportler. Genau so wie ich das Marketing durch Corporate Grassroots für eine Firma oder ein einzelnes Produkt in ganz neuem Licht sehe. Nützen Sie die positive Energie, die bereits da ist und bauen Sie diese mit Hilfe Ihrer Fans aus. Es werden unfassbare Dinge passieren.

Christian Pömer (übrigens auch Österreicher) von Lukas Pöstlbergers Team Bora Hans-Grohe erzählt auf Facebook wirklich wunderschöne Stories über sein Team, sein Leben und Arbeit mit den jungen österreichischen Radprofis – es fehlt nur das Fanmanagement um jetzt aus dieser Sache etwas ganz Großes zu machen. Die Geschichten dafür sind da!

Emotion pur:

Jubel im Teamauto beim Sieg von Pöstlberger



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